Top 20 Essays aus ‚The Future Is Female‘

‚The Future is Female! Was Frauen über Feminismus denken‘ – So heißt dieses kreischend pinke, überraschend dicke Buch, das neulich bei mir eingezogen ist. Zuerst wollte ich es auf Englisch lesen, weil das Original ja auch auf Englisch ist. Dann wollte ich es gar nicht mehr lesen. Vor allem die ein wenig enttäuschte Rezension von inkofbooks.com hat mich davon abgehalten. Irgendwann habe ich es mir dann doch als Rezensionsexemplar schicken lassen, einfach aus Neugierde. Es war wirklich nicht schlecht, aber auch ich war leicht enttäuscht. Und weil ich selbst ja keine echten Rezensionen im herkömmlichen Sinne schreibe, lies doch einfach mal bei Anna nach, was sie über ‚The Future is Female‘ zu sagen hat. Ihre durch und durch reflektierte Kritik spricht mir aus der Seele, ich hätte es selbst nicht besser formulieren können. [Hier klicken]

Ich möchte außerdem noch eine Beobachtung hinzufügen: Die deutschen Beiträge fand ich insgesamt besser als die übersetzten, sowohl inhaltlich als auch stilistisch. Ob das an der Übersetzung liegt, an kulturellen Unterschieden oder der relativen schriftstellerischen Unerfahrenheit einiger Beitragenden, weiß ich nicht. Ist aber auch egal, das wäre ja auch Aufgabe des Lektorats gewesen.

Kurz gesagt: Wir sind beide nicht hundertprozentig überzeugt von dieser Anthologie, finden aber auch sehr viel Gutes daran. 

Und genau dieses Gute will ich dir heute zeigen: meine 20 liebsten Essays aus ‚The Future Is Female‘, damit du dich nicht durch alle 62 Beiträge kämpfen musst. Denn ganz ehrlich – wer (mehr oder weniger) aktiv gegen unser aktuelles toxisches Gesellschaftssystem kämpft, ist eh schon beschäftigt genug. Also bitteschön:

‚The Future Is Female‘ für Eilige:

1. EINLEITUNG von Scarlett Curtis

S. 15-20. Scarlett Curtis – die Herausgeberin – erklärt, warum wir Feminist*innen lange noch nicht fertig sind mit unserem Kampf. Dass Feminismus sich für Gleichheit einsetzt und nicht für eine Übermacht des weiblichen Geschlechts – weil es tatsächlich Leute gibt, die das immer noch nicht verstanden haben. 

„Die Lügen, die uns über den Feminismus erzählt worden sind, wurden verbreitet, um uns von einer Bewegung ferzuhalten, die eigentlich alle Menschen meint.“ 

Dass man als Feminist*in Make-up tragen darf und Pink, dass Feminismus so vielfältig ist wie jede einzelne Person, die ihn unterstützt. Dass Aktivismus mit einer Idee beginnt, wahrscheinlich mit einer, die man irgendwo gelesen hat. 

2. MEIN FEMINISMUS von Saoirse Ronan

S. 26-29. Die Schauspielerin Saoirse Ronan gibt eine akkurate, stichwortartige Anleitung für eine feministische Lebensweise. Kurz, knackig – on point.

3. MEINE VERSION VON FEMINISMUS von Alison Sudol

S. 60-72. Alison Sudol, auch bekannt als Queenieaus Fantastische Tierwesen, schreibt sehr ehrlich über die Teile des Feminismus, mit denen sie sich nicht wohlfühlt. Weichgewaschenen Feminismus, würden das wohl einige meiner fellow feminists nennen. Und ja, ich geb’s zu: Ich habe beim Lesen mit den Augen gerollt, weil ich es nicht einsehe, dass wir uns immer noch Sorgen darüber machen, ob wir noch gefällig, ob wir noch pleasant sind, wenn wir uns als Feminist*innen bezeichnen, oder ob wir dann nicht etwas zu aggressiv rüberkommen. Aber auch das ist Feminismus. Auch diese Sorge, ob wir denn wirklich alle in unseren Feminismus einschließen, der Wunsch, dass sich niemand ausgeschlossen fühlt, auch das ist Feminismus. Und vielleicht sogar eine der wichtigsten Sorgen, auch wenn wir dann vielleicht langsamer vorankommen. 

4. ES WIRD JA IMMER BESSER …  von Katrin Bauerfeind

S. 95-99. Auf ein paar Seiten kondensiert erklärt uns Katrin Bauernfeind, warum wir ausgerechnet jetzt, wo wir doch schon so viel geschafft haben, nicht aufgeben dürfen. Und warum du bitte nicht sein sollst wie Jörg.

„Der Fortschritt ist kein automatisches Update. Er muss immer wieder aufs Neue erkämpft werden. Von allen.“ 

Bitte lesen. Die Frau kann schreiben. 

5. HOCHSTAPLER-SYNDROM von Alaa Murabit

S. 116-122. Wer mit fünfzehn Jahren die Highschool abschließt, ein Medizinstudium beginnt und mit 21 Jahren an hochkarätigen Konferenzen teilnimmt, ist schon ziemlich cool. Wer dann auch noch darüber lachen kann, dass sie sich von einer Praktikantin von ihrem Platz scheuchen ließ, weil diese sie ebenfalls für eine Praktikantin und eben nicht Dr. Murabit hielt, hat es verdient gelesen zu werden. (Außerdem wird dich diese Anekdote sehr unterhalten, da bin ich mir sicher) 

6. SAGT IHM von Jameela Jamil

S. 136-145. Als echte Feministin weißt du, dass die Zusammenarbeit mit den Männern unserer Gesellschaft ein wesentlicher Bestandteil des Aktivismus ist. Nur gemeinsam stellen wir das System auf den Kopf. Denn das Patriarchat schadet uns allen. #ToxicMasculinity ist für alle giftig. Jameela Jamil macht eine klare Ansage: Das solltest du den Männern in deinem Leben sagen, deinen Partnern, Chefs, Onkeln, Brüdern, Söhnen. Vielleicht mein allerliebster Beitrag der ganzen Sammlung. Ich würde am liebsten den ganzen Text auswendig lernen, mir immer wieder vorsagen, damit ich für die Männer in meinem Leben immer die richtigen Worte parat habe. Ihre Worte sind ernst, sie sind einfühlsam – und wenn es passt, auch witzig:

„Sagt ihm, dass es sich unter den Frauen in allen vier Weltgegenden herumsprechen wird wie ein Lauffeuer, wenn er im Schlafzimmer Großzügigkeit walten lässt, denn wir erzählen einander alles. Sein Lob wird landauf, landab gesungen werden, und sein Name wird Legende werden unter uns.“ 

Hach ja. Wie wahr. 

7. DAS SCHWÄCHERE GESCHLECHT von Keira Knightley

S. 155-160. Ich wusste nicht, dass Keira Knightley schreiben kann. Nicht so. Alles, was ich über ihren Beitrag sagen könnte, würde der Wucht ihrer Worte niemals gerecht werden. Sie schreibt „An mein Mädchen“, an ihre Tochter, schonungslos ehrlich, offen – enttäuscht, wütend, ermutigend. 

8. WEIL ICH EIN MÄDCHEN BIN von Milena Glimbowski

S. 167-172. Eine unsympathische Frau … oder hat sie einfach nur die Nase voll von diesem ganzen Bullshit? Milena Glimbowski – ihr kennt sie vielleicht als Gründerin von ‚Original Unverpackt‘ oder ‚Ein guter Plan‘ – hat zero fucks to give und macht eine klare Ansage, was es heißt, heute intersektionale Feministin zu sein. 

„Wir mögen Pornografie und finden Sexarbeit in Ordnung. Wir respektieren Frauen, die selbstbestimmt in diesen Bereichen tätig sind. Wir stehen hinter muslimischen Frauen – egal ob mit Kopftuch oder ohne. Das ist ihre Entscheidung – nicht unsere.“

9. WEIßE FRAUEN OHNE BH von Angela Yee

S. 173-181. Angela Yee sagt, sie konnte sich als Jugendliche nicht mit dem Feminismus identifizieren, weil sie dachte das sei etwas für weiße Frauen ohne BH. (Zur Erklärung: Angela Yees Vater ist übrigens chinesischer Herkunft, ihre Mutter aus West-Indien, aufgewachsen ist sie in den USA) In ihrem Essay erzählt sie uns von einigen haarsträubenden Diskriminierungserlebnissen, gegen die sie auf ihrem Weg zu fame and fortuneanzukämpfen hatte. Heute ist sie erfolgreiche Radiomoderatorin mit ihrer eigenen Show und steht für meine liebste Art von Feminismus:

„Mein Feminismus besteht darin, andere nicht zu verurteilen, sondern zuzuhören, um unsere Differenzen zu verstehen.“

10. ZEHN ARTEN, DIE FRAUEN IN DEINEM LEBEN ZU UNTERSTÜTZEN von Olivia Perez

S. 182-187. Zehn mehr oder weniger einfache, dafür umso simplere, durch und durch logische Wege, andere Frauen zu unterstützen. Lesen, merken, groß ausdrucken und an die Office-Pinnwand heften. 

11. FEMINISTISCHE ERWIDERUNGEN von Scarlett Curtis

S. 221-226. Wie oft in deinem Leben bist du von einem Kommentar oder einer Frage zum Feminismus überrumpelt worden? Wie oft hast du dir gewünscht, die passende Antwort, die dir erst später in der Dusche eingefallen ist, sofort parat gehabt zu haben? Verzage nicht, mein Kind. Scarlett Curtis got you covered. Sie weiß auf jede Frage eine Antwort. Merk sie dir für die nächste Diskussion.

12. ICH SEHE DICH von Karla Paul

S. 238-245. Der literarische Teil der ‚The Future Is Female‘ Anthologie gefällt mir eigentlich nicht so gut. Hauptsächlich, weil es sich beim um übersetzte Gedichte handelt – und übersetzte Gedichte mag ich einfach nicht. Karla Paul – eine Größe der deutschen Buchszene, auch bekannt unter @buchkolumne – schreibt dafür einen umso berührenderen Text über ihren eigenen, über den weiblichen Körper und das stille Miteinander mit den Frauen, denen wir täglich so begegnen. Ich weiß nicht, ob sie das ursprünglich als literarischen Beitrag geplant hat. Aber kein Wunder, dass dieser Text ins Poesie-Kapitel gesteckt wurde – er ist wunderbar poetisch. 

13. SHARIA STATE (OF MIND) von Emtithal Mahmoud

S. 249-255. Auf nur wenigen Seiten umreißt Emtithal Mahmoud ihre Geschichte als Dichterin und Aktivistin aus dem Sudan. Wir lernen etwas über die Wichtigkeit von Hosen, über brennende Häuser, über das Sich-Wehren gegen Todesurteile, über Mut. Und über brennende Häuser.

„Haushaltsführung bekommt eine völlig neue Bedeutung, wenn das Haus selbst in Flammen steht.“

14. HELLE HAUPTDARSTELLERIN von Gemma Arterton

S. 262-265. Gemma Arterton spielte 2008 das Bond-Girl mit dem bescheuerten Namen Strawberry Fields in A Quantum of Solace. Hättest du es gewusst? Nein? Ich auch nicht. Jetzt weißt du’s. Und jetzt kannst du dich beim Lesen dieser alternativen Bond-Story genauso zerkugeln wie ich. Pun totally intended. Allein schon, dass diese feministische Version eines Bond Girls No Scrubs von TLC als Wecker-Lied eingestellt hat, sagt doch schon alles über die Art von Humor aus, die dich hier erwartet. 

„Ja, ich kenne Penny Lane. Unsere Eltern teilen dieselbe Leidenschaft für die Beatles.“

15. EIN FEMINISTISCHER AUFRUG ZUM HANDELN von Jordan Hewson

S. 323-329. Hinhören. Hinschauen. Handeln. So einfach ist das – und so kompliziert. Denn all das erfordert Mut. Nicht jede von uns ist eine Malala. Und doch können wir alle noch ein bisschen mehr riskieren, nur ein bisschen aus unser Bequemlichkeit herauskommen und etwas tun. Irgendetwas.

16. CO-PARENTING von Sharmadean Reid

S. 331-334. Die Unternehmerin Sharmadean Reid schreibt einen Aufruf zu wirklich gleichberechtigter Kindererziehung. Der ist noch dazu so logisch, dass man gar nichts mehr dagegen sagen kann. Bitte nicht nur lesen, sondern auch umsetzen.

17. DEMONTAGE UND ZERSTÖRUNG VERINNERLICHTER MISOGYNIE: EINE TO-DO LISTE von Dolly Alderton

S. 335-340. Ich möchte diese To-Do-Liste rauf und runter lesen, immer und immer wieder, ich möchte sie am liebsten allen Frauen vorlesen, bis wir alle sie verinnerlicht haben. Bitte so. Bitte genau so soll Feminismus aussehen! 

„Sagt nicht, ihr würdet euch wünschen, dass Frauen ihren Wert kennen, kompromisslos sind, was ihre Leistungen angeht, Rum einnehmen und sich selbstbewusst präsentieren, und denkt dann bei euch, wenn ihr genau so eine Frau trefft: Die ist ja ein bisschen sehr von sich überzeugt.“ 

18. BAKER-MILLER-PINK von Scarlett Curtis

S. 346-351. Dieser Beitrag hat eigentlich nicht besonders viel mit Feminismus zu tun. Aber als Neuroscience Nerd fand ich es einfach so interessant, wie dieser Pink-Ton unsere Psyche beeinflussen kann, dass ich das unbedingt mit dir teilen will. Ich meine, hallo? Ein Farbton, der Aggressionen reduzieren kann? Wie geil ist das denn?!

19. SELBSTVERSTÄNDLICH FEMINISTIN von Stefanie Lohaus

S. 352-361. Die Publizistin Stefanie Lohaus klärt uns auf, warum Biologismus Blödsinn ist. Und wenn das selbst mein (teilweise etwas problematischer) alter Freund Erving Goffman sagt, muss es wahr sein. Sie erklärt uns auch, warum es eine der besten Entscheidungen ihres Lebens war, sich öffentlich als Feministin zu positionieren. Spoiler: Es hat etwas mit Freiheit zu tun. Und weil diese Frau sehr sehr gescheit ist, gibt sie uns auch einen kurzen Überblick über die Geschichte des Feminismus. Damit wir uns nicht nur lauthals schreiend in den Kampf stürzen, sondern auch historisch argumentieren können – falls uns wiedermal ein paar alte (oder junge) weiße Männer unterkommen, die es natürlich ganz genau wissen wollen.

20. WIE SOLLST DU ETWAS SEIN, DAS DU NICHT SIEHST? von Alice Wroe

S. 362-369. Weißt du, was die Chupirensind? Oder was 1970 bei der Miss-World-Wahl in London passierte? Oder warum sich eine Gruppe von Frauen, die sich The Bodyguard nannte, um 1913 heimlich traf, um Ju-Jutsu zu lernen? Alice Wroe, die Gründerin von Herstory UK, stellt uns fünf Gruppen von Frauen vor, die du kennen solltest, ob du nun Feminist*in bist oder nicht. Ihr Punkt ist der: Wir brauchen mehr Vorbilder. Denn „wie sollst du etwas sein, das du nicht siehst?“ 

Auf die Vielfalt kommt es an

So, das waren sie. Meine Top 20 Beiträge aus ‚The Future Is Female‘! Du merkst vielleicht: Ich mag lieber die Texte mit Substanz. Die gut recherchierten, die sinnvollen, die auch ein bisschen lustig sind, aber die mich in erster Linie weiterbilden und zu einer besseren Feministin machen. Das ist aber eben nur was ich finde. Und ich bin natürlich nicht das Maß aller Dinge. Der Untertitel des Buches lautet ‚Was Frauen über Feminismus denken‘ und wenn ich eines daraus mitnehme, dann dass der Feminismus so vielfältig ist wie alle Menschen, die für ihn kämpfen. 

Wenn du dir dieses Buch holen willst, kaufe es bitte in deiner lokalen Buchhandlung! <3

Und du? Hast du ‚The Future Is Female‘ gelesen? Wie war dein Eindruck? Welche Beiträge daraus haben dich am meisten angesprochen? Schreib mir gerne hier in den Kommentaren oder auf Instagram, ich bin gespannt auf deine Meinung! 

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